Der Tradition und dem Fortschritt verpflichtet

Seit über 200 Jahren steht „Zur Blauen Hand“ für den gut gekleideten Mann. Seit über sechs Generationen schreibt die Familie Müller damit in Trier eine einzigartige Firmengeschichte. Und der außergewöhnliche Name mit dem markanten Firmenzeichen führt direkt in die Zeit der Gründung zurück.

 

1797 – blau färben am Weberbach

Im Jahr 1797 eröffnete Johann Nicolaus Müller, seines Zeichens Blau- und Schönfärber, eine Färberei und einen Tuchhandel am Weberbach in Trier, der damals noch offen durch das Stadtgebiet floss und schon seit dem späten Mittelalter Wollweber und Färber anlockte. Mit dieser Gründung legt er, ohne es zu wissen, den Grundstein für den heute größten Herrenausstatter in Rheinland-Pfalz – und bringt als Erster das Färbeverfahren mit der indischen Indigopflanze, wie es übrigens heute noch zum Färben von Jeans verwendet wird, nach Trier. Nach seinem Tod im Jahr 1826 führen die beiden Söhne Andreas und Johann Nicolaus der Jüngere den Betrieb erfolgreich weiter.

 

Wie der Name „Zur Blauen Hand“ entstand

Da der Blau- und Schönfärber Johann Nicolaus Müller immer gleichzeitig in der Färberei und im Geschäft zugange war, hatte er keine Zeit, die blauen Farbrückstände an den Händen zu entfernen. So war er stets mit einer blau gefärbten Hand anzutreffen und die Trierer nannten ihn und seinen Laden „Zur Blauen Hand“.

 

1862 – eine neue Ära wird eingeläutet

Die beiden Söhne des Gründers erweitern das Unternehmen durch den Anschluss einer Wollgarnspinnerei, die sich in der Trierer Agnetenmühle bei den Kaiserthermen befindet, und einer Weberei. So entsteht die Tuchfabrik Trier, die sich auf die Herstellung von Loden- und Buxkinstoffen zur Uniformanfertigung spezialisiert. 1849 zieht sich Johann Nicolaus Müller der Jüngere aus der Tuchfabrik zurück und überlässt seinem Bruder Andreas die Geschäftsführung. Nach dessen Tod im Jahr 1861 übernimmt sein Sohn Peter die Firma und betreibt sie in der dritten Generation mit Erfolg weiter. Mit der Vollmechanisierung der Agnetenmühle 1862 wird das Zeitalter der Industrialisierung eingeläutet. Nach dem Ersten Weltkrieg geht allerdings der Bedarf an Uniformstoffen zurück, und so beginnt „Zur Blauen Hand“ mit der Fabrikation eigener Herren- und Knabenkonfektionen. Die Brüder Friedrich und Emil Müller übernehmen das Unternehmen in der vierten Generation und eröffnen 1921 die Geschäftsräume in der Brotstraße. Aufgrund des sinkenden Bedarfs an schweren Stoffen und der Wirtschaftskrise verliert der Tuchhandel immer mehr an Bedeutung, so dass sich die Familie Müller 1927 von der Tuchfabrik trennt und sich auf den Verkauf von Herrenkleidung konzentriert. Im Geschäftshaus an der Brotstraße gibt es jetzt auch eine große Maßwerkstatt, die über 40 Schneider und Zuschneider beschäftigt. Friedrich Müller überträgt die Firma 1936 seinem Sohn Wolfgang, der den Zweiten Weltkrieg an der Westfront erlebt. Nach Kriegsende kehrt er erst 1946 nach Trier zurück.

 

1947 – aus Trümmern neu errichtet

Am Ende des Zweiten Weltkrieges sind 40 % der Trierer Innenstadt zerstört. Auch „Zur Blauen Hand“ ist größtenteils ausgebrannt. So beginnt Wolfgang Müller 1946 durch eigene Tatkraft und mit Hilfe seiner heimgekehrten Mitarbeiter und anderer Helfer das Geschäftshaus wieder aufzubauen und Ware zu beschaffen. In den 50er Jahren gewinnt das Familienunternehmen über das Rhein- und Moselland hinaus in Fachkreisen den Ruf eines fortschrittlichen und leistungsfähigen Fachgeschäftes für Herren- und Knabenbekleidung. Nach zwei Jahrzehnten gelingt es 1966, das alte Geschäftsgebäude wieder aufzubauen und durch den Ankauf von zwei benachbarten Gebäuden um eine große Schauhalle und weitere Ladenräume zu erweitern. Doch die Perfektionierung der Fertigkleidung und ein erweitertes Größensystem verdrängen die Maßfertigung immer mehr. Deshalb gibt das Unternehmen diesen Geschäftszweig 1968 auf und übernimmt die Angestellten der Maßschneiderei in den Verkauf und ins Änderungsatelier. Als Wolfgang Müller 1970 einen plötzlichen Herztod erleidet, übernimmt seine Frau Melitta die persönliche Verantwortung für das seit fünf Generationen in Familienbesitz befindliche Geschäft. Sie kauft das angemietete Eckhaus an der Johann-Philipp-Straße/-Gangolfstraße und errichtet nach dem Abriss des hinteren Geschäftsgebäudes 1974 einen Neubau. Seit 1984 führt der Diplomkaufmann Michael Müller „Zur Blauen Hand“ in der sechsten Unternehmergeneration. Von 1990 bis zum heutigen Tage sorgt er durch mehrere Umbauten im Inneren des Hauses für ein moderneres Erscheinungsbild.

 

1997 – auf in ein neues Jahrtausend

Mit dem Jubiläum zum 200-jährigen Bestehen blickt die Familie Müller 1997 auf eine Erfolgsgeschichte über sechs Generationen hinweg zurück, die auch ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte ist.
Der Tradition und dem Fortschritt verpflichtet entwickelt die Geschäftsleitung  das Konzept „Haus der Marken“.  Dieses Konzept basiert neben dem Anspruch an festgelegte Qualitäts-, Service- und Modestandards auf dem Gedanken der größtmöglichen Sortiments-Kompetenz. So wird 2011 im obersten Stockwerk die Business-Lounge mit der größten Auswahl hochwertiger Markenanzüge in der Region eröffnet.

In den Folgejahren und bis zum heutigen Tage wird das Konzept „Haus der Marken“ mit dem Bau verschiedener Shops und diverser Sortimentsumstellungen immer weiterentwickelt.